Samstag, 1. April 2017

LA GOMERA - DIE ZAUBERINSEL

La Gomera ist ein mystischer Ort, um den sich viele Geschichten ranken. Spricht man mit Menschen, die bereits dort waren, hört man die unterschiedlichsten Schwärmereien. Ob Badeurlaub an felsigen schwarzen Sandstränden, Wanderungen über hohe Bergkämme oder einen Spaziergang im Lorbeerwald, Whale Watching und kulinarische Highlights wie süßer Palmhonig - die kleine Insel hat viel zu bieten. Kein Wunder, dass sie scherzhaft von manchen "die Zauberinsel" genannt wird!


La Gomera


Vor über 40 Jahren wurde die Insel von Hippies erobert, die in Höhlen am Strand wohnten. Auch heute noch findet man den ein oder anderen Aussteiger dort, die bemalten Felsen an der Schweinebucht zeugen von einer langen Hippie-Tradition. Angeblich wohnen noch immer Menschen dort, obwohl mehrfach Höhlen eingestürzt sind und ihre Bewohner unter Felsen begraben aufgefunden wurden. 


Schweinebucht La Gomera
Schweinebucht La Gomera


Der Weg zur Schweinebucht führt vom Hafenviertel Vueltas in Richtung Finca Argayall, über große und kleine Steine, die in der Abendsonne schimmern. Man klettert über Geröll, denn erst kürzlich gab es wieder einen Steinschlag und der kleine Trampelpfad ist darunter begraben. Bei Flut muss man sich an einem Seil hinab hangeln, um zur Bucht zu gelangen. Dort kann man die bunten Zeichnungen auf den Felsen bestaunen oder baden gehen, wobei auch hier gilt - die Strömung ist stark, überall lauern Felsen unter Wasser und vor dem Steinschlag sollte man sich in Acht nehmen. Die Inselbucht wirkt friedlich und verlassen, das kann jedoch täuschen wenn Mutter Natur es sich anders überlegt. 


Schweinebucht La Gomera


Die Gomeros (so nennt man die Bewohner der kanarischen Insel im Atlantischen Ozean) haben sich früher mit einer Pfeifsprache verständigt. Die langgezogenen Täler sind umsäumt von steilen Berghängen, Nachbarn zu besuchen war umständlich. Auch heute noch fährt man stundenlang über kurvige Serpentinenstraßen, um von einem Tal ins nächste zu gelangen. Kein Wunder, dass sich El Silbo dort etablierte!

 


Leider war die Pfeifsprache zwischenzeitlich fast ausgestorben, doch sie wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt und wird heute in allen Grundschulen auf La Gomera unterrichtet. Wer also in den Straßen Schulkinder laut pfeifen hört, darf sich nicht wundern, sie machen nur ihre Hausaufgaben... Interessanterweise ist El Silbo keine Sprache sondern ein Kommunikationssystem, das heißt man kann auch andere Sprachen auf die selbe Art und Weise pfeifen ohne diese selbst zu sprechen. Akkustische Merkmale der Sprache werden imitiert - wer nicht damit vertraut ist, wird wahrscheinlich trotzdem nichts verstehen.

Die etwas weniger risikofreudigen Aussteiger findet man in kleinen Hippiedörfern entlang des Valle Gran Rey, am Fuße des Regenbogens - so kitschig es klingen mag, bei den verrückten Wetterverhältnissen bildet sich dort regelmäßig ein Regenbogen, der das ganze Tal umspannt. Schöner ist es jedoch, Dörfer wie El Guro im strahlenden Sonnenschein zu besuchen.


Regenbogen über dem Valle Gran Rey
Regenbogen über dem Valle Gran Rey


In der Mittagshitze sonnen sich dort unzählige Eidechsen in allen Größen auf den Felsen, die man beim Sonnenbad beobachten kann. Wer sich leise anschleicht und aufmerksam ist, wird unzählige der kleinen Reptilien finden. Mit ihren gelben Streifen oder der grün und schwarz schillernden Haut sind sie auf dunklen Felsmauern gut zu erkennen.


Eidechse La Gomera

Eidechse La Gomera


Das Künstlerdorf El Guro im Valle Gran Rey schmiegt sich an einen steilen Felshang, zwischen Euphorbien und Kakteen. Selbstgezimmerte Unterkünfte und malerische Steinhäuschen sind dort in engen Gassen zu finden, Autos gibt es nur unten an der Hauptstraße - dementsprechend ruhig ist es, man hört nur das Rascheln der zwischen die Steine flüchtenden Eidechsen. Keine Restaurants oder Cafes finden sich hier, als Eindringling ist man schnell wieder weg.


El Guro

El Guro
El Guro im Valle Gran Rey


Von El Guro aus führt ein Wanderweg zu einem kleinen Wasserfall. Der karge Felshang bietet kaum Schutz vor der stechenden Sonne, deshalb macht man diese Wanderung am besten früh morgens. 
 

Wanderung zum Wasserfall bei El GuroEl Guro


Wer Schatten sucht, kann weiterziehen Richtung Tal nach La Calera. Das Viertel ist gefüllt mit Ferienappartements, aber auch einige Einheimische (und Katzen) genießen noch den atemberaubenden Blick ins Tal. Es ist ruhig im Viertel, die Restaurants öffnen erst abends.


La Calera Blick aufs Meer
Blick von La Calera aufs Meer


Wie überall im Valle Gran Rey finden sich hier viele deutsche Aussteiger. Über 1000 deutsche Staatsbürger sollen allein in diesem kleinen Tal leben. Das angenehme Klima und die wunderschöne Natur machen es einem leicht, sich mit La Gomera anzufreunden. Dass überall Deutsch gesprochen wird und sich eine feste Aussteiger-Community etabliert hat, trägt ebenfalls dazu bei. 

(Lesetipp: Jungle World - Insel für Erwachsene)


La Calera

La Calera


Da die An- bzw. Abreise relativ mühsam und zeitaufwendig ist, möchte man sowieso am liebsten dort bleiben. Man fliegt nach Teneriffa Süd, von dort geht es mit dem Taxi weiter zum Hafen Los Christianos, wo man mit der Fähre etwa eine Stunde lang bis zum Hafen San Sebastian auf La Gomera fährt. Um ins beliebte und warme Tal Valle Gran Rey auf der anderen Seite der Insel zu gelangen, muss man wiederum 1 - 1,5 Stunden mit dem Bus oder Mietwagen fahren. 


La Calera
La Calera


Ein Geheimtipp von langjährigen Gomera-Reisenden ist Autobuses Mesa - wer zeitig mit dieser Firma bucht, bekommt für 44 Euro one way alle Transfers aus einer Hand. Das ist nicht nur billiger sondern auch praktischer als die öffentlichen Verkehrsmittel auf den Inseln - man wird vom Flughafen abgeholt und zum Hafen gebracht, bekommt das Fährticket ausgehändigt und wird auf der anderen Insel wiederum zum Zielort gefahren. 


Platz im Viertel La Calera, Valle Gran Rey
Platz im Viertel La Calera, Valle Gran Rey


Da es auf Teneriffa gar keine öffentlichen Busse gibt, die direkt zwischen Flughafen und Hafen fahren und die Guagua Gomera Busse nur fünf Mal am Tag fahren, kann ich euch die Autobuses Mesa wirklich ans Herz legen - denn öffentlich war ich von Tür zu Tür La Gomera - München (mit Direktflug) 17 Stunden unterwegs.


La Gomera ist in den letzten Jahren touristischer geworden, als es wahrscheinlich zu Hippie-Zeiten in den 70er Jahren war. Trotzdem steht hier nachhaltiger Tourismus im Vordergrund, keine riesigen Hotels zerstören das Landschaftsbild wie beispielsweise auf Teneriffa. Noch immer trifft man interessante und naturverbundene Menschen dort, auch wenn am Strand von La Playa abends viel los ist. 

 


La Playa, Valle Gran Rey



Obwohl die Anreise beschwerlich ist, würde ich sofort wieder nach La Gomera kommen, denn es gibt so viel zu erleben. Im Gegensatz zu anderen kanarischen Inseln ist der Tourismus hier noch immer erträglich, es wird Rücksicht auf die Natur genommen und man lernt interessante Menschen kennen. In den nächsten Wochen werde ich euch noch von Delfinen, Palmhonig und den schönsten Aussichtspunkten der Insel berichten! 


Sonnenuntergang vor La Gomera

Kommentare:

  1. Liebe Ela,
    von La Gomera ist mir schon so wahnsinnig viel vorgeschwärmt worden und jetzt auch noch du mit deinem schönen Bericht. Dass die Anreise echt lang dauert, wenn man nicht im Paket bucht, habe ich auch schon gehört. Scheint sich echt zu lohnen. Bin gespannt auf deine weiteren Erlebnisse auf der Insel.
    Liebe Grüße
    Eva

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    1. Liebe Eva, es freut mich, dass dir mein Bericht gefällt! Es folgen noch ein paar weitere Beiträge zu La Gomera :)
      Bei der langen Anreise muss man echt mindestens eine Woche bleiben, sonst lohnt es sich kaum. Hoffe du schaffst es auch mal dorthin!
      Liebe Grüße,
      Ela

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